Kontakt zur Wildtierauffangstation Hüllerup
Ruth & Franz Muschalla
Fon: 04608 - 3 85
Am Loftlunder Weg 2, 24983 Handewitt / Hüllerup
Ruth und Franz Muschalla mit einem roten Milan und einer Wiesenweihe
Der Jagdbezirk Hüllerup gehört zum Hegering 9. Dort haben Franz und Ruth Muschalla seit 1964 eine Wildtierauffangstation aufgebaut und arbeiten eng mit dem Tierschutz zusammen. Jedes Jahr werden ihnen Vögel und Tiere, die verletzt gefunden wurden oder noch sehr klein und hilfsbedürftig sind, sowohl von der Polizei als auch vor allem von Privatpersonen gebracht, Ende Juli wurde ihnen von den Tierärzten Dr. Klaus und Dr. Mara Lund aus Ulstrup ein Roter Milan gebracht, der erschöpft am Waldrand gelegen hatte. Er war stark abgekommen, fast verhungern und verdurstet. Mit viel Mühe begann Ruth Muschalla den Jungvogel aufzupäppeln. Vorsichtig flößte sie ihm mit einem kleinen Teelöffel Traubenzucker, vermischt mit Rehschweiß, ein. Allmählich machte er die Augen wieder auf, war aber nicht in der Lage, sich aufzurichten und lag platt auf der Erde. Dann begann Ruth Muschalla, ihn mit kleinen Fleischstückchen von Küken und Wild zu füttern. Nach etwa 14 Tagen zeigte er Anzeichen der Besserung und begann zu fliegen, zunächst auf einen Pflock und dann auf die Stange in der Voliere, wo er inzwischen untergebracht war. Er wurde weiterhin viermal täglich gefüttert und trank auch schon allein. Tag für Tag, so Ruth Muschalla, konnte sie seine Genesung verfolgen und auch das Federkleid des sich in der Mauser befindlichen Milans vervollständigte sich wieder. Leider kann der Jungvogel in diesem Jahr nicht ausgewildert werden, da seine Artgenossen bereits in den Süden gezogen sind. Erst Mitte bis Ende März des nächsten Jahres wird er seine Freiheit erlangen können.
Auch eine Wiesenweihen wurde den Muschallas Anfang August abends von Peter Carstensen aus Handewitt gebracht. Sie war ebenfalls total abgemagert und am Auge und Kropf verletzt auf der Wiese gefunden worden. Mit einem Teelöffel tröpfelte Ruth Muschalla ihr Wasser in den Schnabel und ernährte sie ganz vorsichtig mit kleingeschnittenem Fleisch und eiweißreichem Aufbaufutter. Nach etwa 14 Tagen begann der Vogel selbständig zu fressen und erholte sich zusehends. Die Augenverletzung, mit Salbe und Tropfen behandelt, wurde nach etwa acht Tagen besser. Aber weil die Verletzung am Kropf so gravierend ist, kann der Vogel nicht ausgewildert werden, denn die Haut über dem Kropf regeneriert sich nicht, wie Tierarzt Dr. Lund sagte.
Sowohl der Rote Milan als auch die Wiesenweihe sind seltene Vogelarten und stehen in Schleswig-Holstein unter strengem Naturschutz.
Vor kurzem brachte ein Landwirt einen Uhu, den er beim Strohfahren in Jägerkrug bei Frörup neben einem Strohballen total abgemagert und vor Erschöpfung flugunfähig gefunden hatte. Allerdings fraß er sofort das angebotene Futter bei Muschallas, und ist bereits auf dem Wege der Besserung. So besteht die Hoffnung, dass der Uhu bald wieder ausgewildert werden kann, denn Ruth und Franz Muschalla behalten kein Tier länger als erforderlich.
Im Laufe des Sommers wurden in der Auffangstation viele Vögel und Tiere aufgezogen, versorgt und teilweise bereits wieder ausgewildert: acht Stockenten-, drei Brandgänse- zwei Graugans- und drei Turmfalkenküken, vier Waldkauz- und zwei Schleiereulen-Nestlinge, die vom Landesverband für Eulenschutz beringt wurden, und sogar fünf kleine Fledermäuse, die mit Katzen- und Eiweißfutter ernährt wurden, zwei kleine Bussarde und viele Singvögel, fast alle Nestlinge von Bachstelzen, Mauersegler, Amsel, Dompfaff und Kernbeißer. Auch zwei Eichhörnchenjungen und sechs kleine Hasen wurden wieder ausgewildert.
Ruth und Franz Muschalla sorgten sich um diese Tiere von frühmorgens bis spätabends, denn die Aufzucht ist mühsam und erfordert viel Geduld, Sorgfalt und ist sehr zeit- und arbeitsaufwendig. Sie erkennen aber auch, wenn ein Vogel oder ein Tier so schwer verletzt ist, dass jede Hilfe zu spät kommt, wie vor kurzem eine Taube, die von einem Greifvogel verletzt wurde. Dann werden sie eingeschläfert.
(Text, Fotos: Jörg Thordsen, KJS-Flensburg)
geretteter Schwan
Ruth Muschalla mit dem aufgepäppelten Schwan
In Glücksburg fanden Passanten einen Höckerschwan, der wahrscheinlich bereits zwei Tage lang zwischen zwei Booten eingeklemmt war. Sie riefen die Feuerwehr aus Glücksburg zur Hilfe, die den Schwan zur Tierärztin Dr. Mara Lund aus Ulstrup brachte. Bei der gründlichen Untersuchung stellte sie fest, dass er Verletzungen an den Flügeln und am Bein hatte und nicht mehr das Gleichgewicht hatten konnte. Da lag es nahe, einmal wieder die Tierauffangstation in Hüllerup um Hilfe zu bitten. Ruth Muschalla bereitete ihm in einem geschlossenen Gehege ein warmes Heubett, weil er unterkühlt war. Der Schnabel war wohl eine ganze Zeit lang während seines Martyriums unter Wasser gewesen und ganz weich geworden. Vorsichtig flößte sie ihm Teichwasser ein und bot ihm kleine eingeweichte Brotstücke und Haferflocken als Nahrung an. Am späten Abend begann er ein bisschen zu fressen, weil er auch total ausgehungert war. Zwei Tage später begann er dann richtig zu fressen und erholte sich zusehends bei Körnerfutter, Haferflocken, eingeweichtem Brot und Teichwasser.
Inzwischen wurde er wieder von der Feuerwehr abgeholt und in seinem angestammten Revier in Quellental bei Glücksburg ausgewildert.
(Text, Fotos: Jörg Thordsen, KJS-Flensburg)
Ruth Muschalla mit ihren 3 Schwalben
Kommt der Besucher zu Ruth und Franz Muschalla nach Hüllerup, werden sie von dem Papagei begrüßt, der ihnen lauthals ein „Guten Tag“ und andere Redewendungen entgegen ruft. Das Ehepaar engagiert sich seit nunmehr 35 Jahren für den Tierschutz und beide sind weit bekannt dafür, dass sie verletzte oder verlassene Tiere und Vögel zu retten versuchen. 62 Rehkitze, 2 Sikakälber und 3 Damkälber haben sie seitdem großgezogen und zum größten Teil wieder ausgewildert. Jedes Jahr werden ihnen kranke oder verlassene Tier und Vögel gebracht, aber sie versuchen nicht bei aussichtslosen Fällen zu helfen, sondern nur dort, wo eine gute Chance auf Heilung mit anschließender Auswilderung besteht.
Etwa Anfang Juli wurden ihnen drei kleine Schwalbenjungen vom Pflegeheim in Schafflund gebracht. Das Nest mit fünf Jungen war heruntergefallen und die Eltern kümmerten sich nicht mehr um die Nachzucht. Zwei der kleinen Schwalben waren tot, aber die anderen drei, sie hatten nur Ansätze von Federn, kamen in die liebevollen Hände von Ruth Muschalla – und sie zog die Jungen auf, allen pessimistischen Äußerungen aus berufenem Munde zum Trotz. Sie setzte die Kleinen in einen mit Watte und Küchenpapier gut gepolsterten Käfig und fütterte sie mit einer Pinzette tagsüber alle 20 Minuten mit einem Brei aus getöteten Mehlwürmern, gemischt mit Kraft- und Aufzuchtfutter für Vögel. Ständig musste sie auch den Kot entfernen, denn, so sagt sie, Schwalben sind sehr saubere Vögel. Die letzte Mahlzeit bekamen sie um 22 Uhr und die erste wieder um 6 Uhr morgens. Nachdem Ruth Muschalla das größte Problem, nämlich die kleinen Schwalben zum Aufsperren des Schnabels zu bewegen, gelöst hatte, indem sie die Bewegungen der Eltern nachmachte, war das Füttern nicht mehr schwierig. Inzwischen sind die kleinen Schwalben nach fünf Wochen flügge geworden, haben ein gutes Federkleid und bewegen sich frei in der Voliere. Es dauerte eine Zeitlang, bis die kleinen Schwalben ihr Futter selbständig vom Teller aufpickten und auch an die Wasserschüssel gingen. Seit etwa acht Tagen öffnet Ruth Muschalla nun tagsüber die Voliere und die Schwalben fliegen über Haus und Garten, setzen sich aber immer noch in der Nähe ab. Jetzt fangen sie ihre Nahrung selber, kommen jedoch abends immer noch in ihre Voliere zurück und können auch dort noch ihr Futter abholen. Bewusst, so Ruth Muschalla, hat sie die jungen Schwalben nicht auf sich fixiert. Deshalb ist die Ersatzmutter zuversichtlich, dass die Zöglinge eines Tages mit anderen Schwalben in den wärmeren Süden ziehen, auch wenn es sie ein bisschen traurig stimmt.
Momentan ziehen Franz und Ruth Muschalla auch zwei Waldkäuze und zwei Schleiereulen groß. Von einer Schule in Rendsburg bekamen sie im Frühjahr ein Austernfischerküken. Das Nest befand sich in einer Dachrinne und der kleine Vogel war runtergefallen. Er hat sich inzwischen gut entwickelt und wurde vor 14 Tagen in einem Baggersee, in dem Austernfischer brüten, ausgewildert.
Von der Polizei wurden den Muschallas 13 Stockentenküken gebracht, die Mutter lag tot auf der Straße und die Kleinen liefen planlos hin und her. Sie wurden im Laufe des Sommers aufgezogen ebenso wie vier Mäusebussarde, drei Turmfalken und etliche Ringel- und Türkentauben und ausgewildert. Zehn kleine Hasen wurden ihnen, teilweise auch durch die Polizei gebracht. Vor allem Kinder meinen, dass die kleinen Langohren von ihren Eltern verlassen seien, wenn sie in der Feldmark oder am Straßenrand allein angetroffen werden. Das ist aber nicht der Fall, die Mutter ist immer in der Nähe. Deshalb appellieren Ruth und Franz Muschalla an die „Finder“, die „Babyhasen“ dort zu lassen, wo sie sich einfach schützend versteckt haben.
Die kleinen Hasen hat die Pflegemutter mit Aufzuchtmilch für Hundwelpen zunächst mit der Flasche aufgepäppelt, und als sie älter wurden, bekamen sie Spitzwegerich, Löwenzahn und Schafschrot mit Haferflocken gemischt in ihrem großen Käfig, ehe sie ausgewildert wurden.
Reinhard Neumann und seine Tochter Marie wohnen in Flensburg im Wilhelminental an einem kleinen Bach. Ihre Katze hatte ihnen ein kleines lebendes Wildentenküken gebracht. Ein zweites irrte nach seinen Eltern rufend planlos umher. Diese waren allerdings nicht aufzufinden, und deshalb brachten sie die beiden ebenfalls zu Ruth Muschalla. Sie setzte die kleinen Enten in eine Schüssel mit Teichwasser und Wasserlinsen, und gleich schwammen sie munter umher. „Wichtig ist es“, so Ruth Muschalla, „die Wildentenküken mit Teichwasser aufzuziehen. Auch erhalten sie oftmals eine Grassode, von der sie eifrig picken. Zusätzlich werden sie mit Haferflocken gefüttert. Tagsüber sind sie im Käfig, nachts werden sie unter einer Infrarotlampe gewärmt.
Häufig kommen Schulklassen und Besuchergruppen nach Hüllerup zu Familie Muschalla, um die vielen Tiere aus nächster Nähe zu beobachten und die sehr große Sammlung von Tierpräparaten, Eiern und Nestern zu bestaunen.
Es bringt Ruth und Franz Muschalla sehr viel Freude, die Tiere wieder aufzupäppeln und der Natur zurück zu geben. Sie sind allerdings für die Aufzugskosten auf Spenden angewiesen.
(Text, Fotos: Jörg Thordsen, KJS-Flensburg)
